Tag der Pflege


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Der Patient in Zimmer 3 klingelt, schon zum vierten Mal in den letzten 15 Minuten. Er will wissen, wie es mit ihm weitergeht. Aber weil ich das selbst nicht weiß, ist er mit meiner Antwort unzufrieden und klingelt wieder, weil er hofft, dass dieses Mal jemand kommt, der ihm Auskunft geben kann. Wenn ich jetzt in sein Zimmer gehe, könnte ich die Klingel so umhängen, dass er nicht mehr dran kommt.

Die Patientin in Zimmer 1 ist inkontinent. Damit ich nicht ständig die Windel wechseln muss, könnte ich noch zwei Einlagen hineinstopfen. Das hält länger.

Der Patient in Zimmer 5 weiß, dass sich seine Frau zu Hause Sorgen um ihn macht. Er bittet mich, ihm ein Telefon zu bringen, damit er ihr anrufen kann. Ich habe gerade noch anderes zu tun und möchte nicht extra ins Stationszimmer laufen um ein Telefon zu holen. Er kann seine Frau ja später noch sagen, dass es ihm gut geht.

Die Patientin die ich zur Untersuchung vorbereiten soll hat Angst. Aber die Ärzte warten schon, dass sie sich umzieht und ins Bett legt. Ich kann jetzt nicht ewig mit ihr über den Eingriff reden, sie wurde ja von dem Stationsarzt aufgeklärt und hat die Einwilligung unterschrieben. Eigentlich sollte sie Bescheid wissen. Außerdem ist das ja eh Routine, was soll ihr schon passieren?

Die Patientin in Zimmer 6 möchte jetzt gerade nicht gewaschen werden, „lieber später” sagt sie. Ich könnte zustimmen wohl wissend, dass ich später vermutlich keine Zeit dafür haben werde und bin insgeheim froh, diese 20 Minuten jetzt für etwas anderes zu haben.

Bei dem dementen Patient sind gerade Angehörige zu Besuch. Er sollte eigentlich eine Flasche Wasser am Tag trinken, kann das aber nicht ohne Hilfe. Ich geh am besten mal hin, frag nach ob alles ok ist und geb ich was zu trinken. Sonst denken sie, wir kümmern uns nicht richtig. Den Schein wahren ist nämlich alles.

Ich geh nach Hause und habe das Gefühl niemandem gerecht geworden zu sein. Wenigstens ist niemand gestorben.

Die Pflege ist am Limit! Politiker, egal ob im Kreis, auf Landes- oder Bundesebene, müssen endlich handeln! Auch du kannst etwas tun. Schreib deinen lokalen Abgeordneten. Falls du nicht weißt, wer das ist, melde dich unter gute-gesundheit-fuer-alle@web.de oder auf social media „Gesundheit ist keine Ware – Ortenau“. Denn denke immer dran, früher oder später brauchst du auch mal ein Krankenhaus. Dann wollen wir alle gut versorgt werden.

Nur gemeinsam können wir Forderungen erkämpfen:

– Mehr Personal

– Erhalt und Ausbau aller Ortenauer Kliniken

– Mehr Mitspracherechte der Klinikbeschäftigten

– Reinigungskräfte besser bezahlen (nach TVÖD)

Mit einem “sleep-in” wollen wir am Tag der Pflege um 18Uhr am Offenburger Rathaus und Messekreisel unsere Forderungen unterstreichen und den Protest gegen die schlechten Arbeitsbedingungen auf die Straße tragen! Schließe auch Du dich an!