Offenburgs blutige Geschichte

Seit Jahrzenten hängt in der Offenburger Gerberstraße eine Ehrentafel, „gewidmet den Südwestafrikanern des Landwehrbezirks Offenburg“. Eine Tafel, die aus den Zeiten des deutschen Kolonialismus stammt und die Offenburger ehren soll, die in den blutigen Kolonialkriegen gekämpft hatten.

Seit den 1890er Jahren sah das deutsche Kaiserreich Teile Süwestafrikas als Schutzgebiet an. Das bedeutete für die dortige Bevölkerung brutalste Misshandlungen und blutige Vertreibungen. Selbstverständlich ließen sich die Völker der Nama und Herero dies nicht gefallen und begannen im Jahr 1904 einen Aufstand gegen die weißen Kolonialherren. Während die Aufständischen nur Männer töteten, rächte sich das deutsche Kolonialkorps mit einem grauenhaften Völkermord. Ca. 70.000 Menschen wurden abgeschlachtet, in die Wüsten zum Verdusten geschickt oder in Konzentrationslager bestialisch gefoltert. An diesem Massaker nahmen auch zahlreiche freiwillige Offenburger teil.

Die Konzentrationslager und der praktizierte Rassismus ebneten schon damals den Weg für den Holocaust. Schon in den Kolonien wurden Menschen mit schwarzer Hautfarbe umgebracht und ihre Schädel und Knochen untersucht. Das Ziel war eine Rassentheorie zu entwickeln, bei der die weiße Rasse als überlegen dargestellt werden sollte. Später wurden die Schädel in deutschen Museen ausgestellt.

Für viele Offenburger ist es unerträglich, dass diese Tafel völlig unkommentiert in der Gerberstraße hängt. Nach Meinung von Hans-Peter Görgens, wird hier die Kolonialgeschichte mehr als nur verharmlost. Es sei aber bezeichnend für Offenburg, dass hier auch nach mehrmaligen Hinweisen keine Tafel angebracht wurde. Denn bis heute wissen auch viele Offenburger und Offenburgerinnen nicht, dass es in Offenburg auch mal ein Konzentrationslager im zweiten Weltkrieg gab. Es entstehe für Görgens und viele weitere der Eindruck, man wolle hier die Geschichte verdrängen. Doch gerade in Zeiten wie diesen, in denen AfD und andere rechte Gruppierungen immer stärker werden und wieder ein starkes Deutschland fordern, ist es wichtiger denn je daran zu erinnern, was Nationalismus ausrichten kann.

Deshalb fordern der Verein für grenzüberschreitende Erinnerungsarbeit und die LinksjugendSolid.Ortenau von der Stadt, dass die Stadt endlich Erklärungstafeln bzw. Erinnerungstafeln angebracht werden, dass das Rittermuseum gestohlene Austellungsstücke zurück gibt und man ein öffentliches Bewusstsein für die damaligen Verbrechen schafft.

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